|
|
| Entgangen (dr.robert) |
Text ist für das Musik/Theaterprojekt Melpomenes Experitext geschrieben.
Entgangen
1.Stimme:
Wenn ich dich besuchte, wurde es immer kälter.
Nicht Tee, nicht Kaffee, nicht Alkohol konnten daran etwas ändern. Es hatte sich etwas verändert. Zwischen dir und mir, war mein erster Gedanke. Vielleicht lag es an der Zeit und an der Situation. Vielleicht hatten wir nur einen schlechten Tag oder ich wurde langsam krank. Woher sollte sonst das frösteln kommen, das mich an jenem Tag umgab?
2.Stimme:
Ich will nicht mehr arbeiten. Andere Menschen werden mir mehr und mehr zum Grauß. Ich will nur noch den ganzen Tag in meinem Bett liegen. Und eigentlich ist der einzige Grund mich zu erheben, dein Besuch. Die Welt ist mir ein Greuel geworden. Dort draußen ist es noch viel kälter, als es mir in meinem Hause jeden Tag wird. Weder eine Zigarette nach der nächsten, werden daran etwas ändern, noch das Rauschen des alten Fernsehers.
1.Stimme:
Du hast begonnen bei manchem meiner Besuchen pausenlos zu monologisieren, hast geredet ohne Unterlass, Worte wie wirre Fäden aneinander zu reihen. Wiederrum gab es Tage, da gabst du mir nur einsilbige Antworten, betontest nur immer fort, dass du nie wieder zur Arbeit gehen würdest. Es machte mich so traurig, dich so zu sehen. Dein Gesicht begann zu ergrauen, deine Hände wurden zittrig, immer hast du dich an einer Zigarette festgeklammert, als sei es dein letzter, letzter Halt.
2.Stimme:
Ich schlich durch das Haus, manchmal stundenlang, weil ich Angst bekam, es sei jemand Ungebetenes hier. So hielt ich stundenlang wache auf dem Dachboden und leuchtete den kalten Keller mit meiner Taschenlampe aus. Da entdeckte ich hinter dem Heizungstank, eines Tages dieses Loch im Mauerwerk. Aus ihm strömte diese angenehme Kühle, und tauchte mich in sanfte Dunkelheit.
1.Stimme
Ich sagte dir, du müsstest umziehen, etwas stimme nicht mit diesem Ort. Du nicktest und sagtest, es sei angenehm abgeschieden und kühl. Dann standest du auf, gingst in den Keller. Ich hab gewartet, eine halbe Stunde lang und verließ dich, da du nicht mehr wieder kamst. Und ging ein letztes Mal durch den aufgetürmten Müll, der sich im Flure türmte.
2.Stimme:
Du wurdest bei jedem Besuch unwirklicher. Auch das was du sagtest entzog sich meinem Begriffsvermögen und hatte nicht viel mit dem zu tun, was mich mit dieser Welt verband. Manchmal entfiel mir schon dein Name, manchmal warst du mir fremd und dein Gesicht verzerrt. Aber dann redest du von all den Jahren, die wir uns schon zu kannten. Irgendwie konnte ich dir immer weniger glauben, je öfter du es sagtest. So beschloss ich dich nicht mehr zu kennen.
1. Stimme:
Trotz der Kälte, trotz des Gestanks und des Unwohlseins, suchte ich dich auf. Die Sorge um deinen abgemagerten Körper ließ mich einfach nicht mehr los. Aber du reagierst weder auf ein Klingeln, noch nahmst du den Hörer ab. Auch deine Eltern und deine Freunde, hatten schon lang nichts von dir gehört. Ich frage mich, was aus dir geworden ist...
2.Stimme:
Ich richtete es mir Unten ein, holte meine Matratze aus dem oberen Stock, aß und weilte nur noch dort. Verließ nicht mehr den Heizungskeller, verließ nicht mehr mein Bett. Ich lauschte nur den sanften Stimmen, die die Dunkelheit erfüllten, die mit ihren süßen Worten durch das Loch zu mir so unermüdlich sprachen. Nie erwarteten sie eine Antwort oder eine Reaktion, als würde es ihnen nur genügen, dass ich mir Zeit für sie nahm. So rückte die Einsamkeit in weite Ferne- fühlte mich geborgen und verstanden, wenn ich da lag - und einfach lauschte.
|
|
| Kommentare |
am 23-01-2010 19:53
 |
am 21-02-2012 01:06
----------------------------puh------------------------------------------------gut |
|
|
| Bewertung |
|
Die Bewertung ist nur für Mitglieder verfügbar.
Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich, um abzustimmen.
Keine Bewertung eingesandt.
|
|
|
| Benutzer Online |
Gäste Online: 3
Keine Mitglieder Online
Registrierte Mitglieder: 265
Unaktivierte Mitglieder: 2645
Neustes Mitglied: AlexDeti
|
|
| Termine |
| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So |
|
|
|
|
1 |
2 |
3 |
| 4 |
5 |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
| 11 |
12 |
13 |
14 |
15 |
16 |
17 |
| 18 |
19 |
20 |
21 |
22 |
23 |
24 |
| 25 |
26 |
27 |
28 |
29 |
30 |
|
|
|
|